Solche Aussagen halten sich hartnäckig in der Pferdewelt. Fast jeder hat sie schon einmal gehört – und viele glauben sie auch. Aber stimmt das wirklich? Oder ist es einer dieser typischen Stallmythen, die sich über Jahre verselbstständigt haben?
Woher kommt dieser Mythos überhaupt?
Als die ersten Silikon-Vollbesatz-Reithosen auf den Markt kamen, waren viele begeistert. Endlich mehr Halt im Sattel, ein ruhigerer Sitz und weniger Rutschen – besonders bei jungen oder schwungvollen Pferden.
Doch schon kurze Zeit später tauchten die ersten Gerüchte auf:
"Das Silikon schleift das Leder auf."
"Der Grip macht den Sattel kaputt."
"Mit so einer Hose hält dein Sattel nie lange."
Und ganz ehrlich – klingt das nicht erst einmal logisch? Immerhin sorgt der Grip für mehr Haftung.
Aber genau hier lohnt es sich, einmal genauer hinzuschauen.
Was belastet den Sattel wirklich?
Leder ist unglaublich robust. Hochwertige Sättel sind dafür gemacht, täglich benutzt zu werden.
Was Leder allerdings gar nicht mag, sind ganz andere Dinge:
- Schmutz und Sand zwischen Reithose und Sattel
- mangelnde Lederpflege
- Schweiß, der nicht entfernt wird
- dauerhaft trockene oder spröde Lederoberflächen
- falsche Reinigungsmittel
Diese Faktoren wirken wie feines Schleifpapier – oft deutlich stärker als eine moderne Silikonbeschichtung.
🤠 Westernreiter machen ihre Sättel doch auch nicht kaputt.
Mal ehrlich... hast du schon einmal jemanden sagen hören:
Kauf bloß keine Jeans mit Nieten. Die machen deinen Westernsattel kaputt!
Wohl eher nicht, oder? 😉
Dabei sitzen Westernreiter oft stundenlang im Sattel – und die Nieten an den Gesäßtaschen sind deutlich härter als das weiche Silikon einer modernen Full-Grip-Reithose. Trotzdem spricht kaum jemand darüber. Warum? Weil ein hochwertiger Sattel für den täglichen Einsatz gebaut ist.
Und der Full Grip?
Der Grip einer hochwertigen Reithose besteht aus flexiblem Silikon. Dieses ist weich und soll vor allem eines tun: dir mehr Stabilität im Sattel geben.
Ein entscheidender Punkt wird dabei oft vergessen:
Wenn du durch den besseren Halt ruhiger sitzt, bewegst du dich häufig sogar weniger im Sattel. Weniger Reibung bedeutet im Idealfall sogar weniger Belastung für das Leder.
Natürlich gilt auch hier: Qualität macht den Unterschied. Sehr günstige Reithosen mit minderwertigem Druck können sich anders verhalten als hochwertige Markenprodukte.
Warum entstehen dann Gebrauchsspuren?
Ganz einfach: Jeder Sattel bekommt mit der Zeit Gebrauchsspuren.
Ob Reitstiefel, Steigbügelriemen, Schweiß, Staub oder tausende Reitstunden – all das hinterlässt Spuren. Oft wird der Full Grip dafür verantwortlich gemacht, obwohl viele andere Faktoren wesentlich stärker auf das Leder einwirken.
Unser Fazit
Lass dich nicht von jedem Stallgerücht verunsichern.
Ein hochwertiger Sattel ist dafür gebaut, genutzt zu werden – und eine gute Full-Grip-Reithose gehört für viele Reiter heute ganz selbstverständlich dazu.
Viel wichtiger als die Frage "Full Grip oder nicht?" ist deshalb:
Hand aufs Herz... ❤️
Wann hast du deinen Sattel das letzte Mal richtig gereinigt?
Nicht nur kurz mit einem Tuch drübergewischt, sondern wirklich gründlich von Schweiß, Staub und Schmutz befreit und anschließend gepflegt?
Denn genau hier liegt häufig das eigentliche Problem. Feiner Sand, getrockneter Schweiß und mangelnde Lederpflege greifen das Leder auf Dauer wesentlich stärker an als eine hochwertige Reithose mit Full Grip.
Ein gepflegter Sattel dankt es dir mit einer deutlich längeren Lebensdauer – und sitzt am Ende genauso bequem wie am ersten Tag.
Also lieber regelmäßig putzen, statt dem Full Grip die Schuld zu geben 😉














